Gespräch des Bischofs mit der Jugend:

Bischof Kempf

 

Mess- Festival Hilfe zum besseren Eucharistie-
verständnis

Blick vom Altar in die Jugendgemeinde
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(Auszug aus dem verhinderten Buch "Das Hofheimer Mess-Festival")

Das Mess-Festival war eine Hilfe zum besseren Eucharistieverständnis

Michael W. (18):

Um auf meine Idealvorstellung von der Eucharistiefeier einzugehen: Ich sehe bei der Eucharistiefeier den ersten Zweck in einer Gemeinschaft, die sich zuvor im Gottesdienst, im Wortgottesdienst oder wo auch immer gebildet hat, und die sich zur Feier der Eucharistie zusammenfindet, um über die Eucharistie immer wieder daran erinnert zu werden, was Christus für uns Menschen getan hat. Diese Gemeinschaft soll durch das gemeinsame Mahl, durch die Kommunion stärker verbunden werden und im Leben das an den Menschen vollziehen, was Christus an allen Menschen vollzogen hat. Insofern würde die Feier der Eucharistie als ständige Aufforderung, verbunden mit dieser Identifikation, im Mahl und während der Wandlung besonders stark zum Vorschein kommen. Das Ist für mich der optimale Zweck einer Eucharistiefeier, und allein aus diesem Grundverständnis gehe ich bis heute noch in die Kirche.

Wir haben beim Mess-Festival die Erfahrung gemacht, daß die Konzentration an der Stelle, an der die Identifikation mit Christus auch sinnbildlich eintritt, nämlich bei der Wandlung, wo nach katholischem Glauben der Leib und das Blut Jesu Christi gegenwärtig sind, daß also die Konzentration bei diesem Höhepunkt da war, obwohl Kommunikation da war, was meiner Meinung nach alles sehr positive Elemente in einem Gottesdienst sind. Wenn dazu noch die gewisse Ehrfurcht kommt, die sich in anderen Formen ausdrückt, welche man vielleicht noch nicht gewohnt ist, die aber durchaus das Lebensgefühl der jungen Generation ansprechen, wenn dies geschieht, dann kommt in diesem Gottesdienst wesentlich mehr Identifikation zustande als bei dem normalen Gottesdienst.

Thomas A. (24):

Es ist gefragt nach der Idealvorstellung einer Eucharistiefeier, nach unseren Vorstellungen; Ich kann nur meine persönliche Idealvorstellung dazu präsentieren. Sie steht im Widerspruch zu dem, was in unserer Massengesellschaft realisierbar ist. Sollte sich nicht nur, wie das herkömmlich so war, die Eucharistiefeier in einem Rahmen, der sich Gottesdienst nennt, abspielen, dann kann, so wie das vielleicht konzipiert und meiner Ansicht nach auf dem Mess-Festival etwas mißlungen war, anschließend eine Agape stattfinden. Eine Agape, wo Menschen ein Sonntagsmittagsmahl zusammen einnehmen als Zeichen und Ausdruck der Dankbarkeit, beispielsweise, daß Gott uns unser tägliches Brot gibt. Das sollte aber meiner Meinung nach im kleineren Rahmen geschehen, als es auf dem Mess-Festival geschehen ist oder aufgrund der großen Gemeinde nicht geschehen kann. Nichtsdestoweniger kann man den Versuch machen, mit kleineren Gemeinschaften, die sich nicht über den Rahmen von vierzig bis fünfzig Personen erheben, einen Gottesdienst zu feiern mit einer anschließenden Agape, bei der ein richtiges Mahl eingenommen wird, das auch der Bedürfnisbefriedigung dient. Wo ein solches Mahl eingenommen wird, haben die Menschen auch Gelegenheit, sich zu kommunizieren und Gemeinschaft in die Realität umzusetzen.

Armin K. (22):

Meiner Meinung nach war das Mess-Festival, sagen wir die Messe, ein weitgehend geglückter Versuch für ein zeitgemäßes Eucharistieverständnis. Allerdings habe ich dabei einen kleinen Mangel festgestellt, und zwar müßten "Opferung", "Wandlung" und "Kommunion", die drei Grundpfeiler jeder bisherigen Messe, etwas anders heraus gearbeitet, intensiviert werden. Die Opferung ist insofern gelungen, als diese Sammlung zustande kam, die finanzielle Sammlung, aber auch die Sammlung für jeden selbst, die Konzentration auf das, was gefordert ist. Was die Wandlung betrifft, war ich eigentlich nicht zufrieden. Nach dem Verständnis, das ich von der Wandlung habe, müßte gerade hier diese Identifikation geschehen. Es heißt zwar so schön symbolisch "dies ist mein Leib", "dies ist mein Blut", aber die Identifikation kann nicht geschehen, weil dieser symbolische Ausdruck nicht verständlich ist. Die Kommunion war meiner Meinung nach relativ gut gelungen.

Junger Mann (?):

Ich stand in der Vorbereitung des Mess-Festivals dieser Sache sehr skeptisch gegenüber. Im Nachhinein aber möchte ich jetzt sagen, daß dieses Mess-Festival ein echtes Erlebnis war, ein echtes Erlebnis der Gemeinschaft. Es hat mir persönlich völlig neue Aspekte für mein Eucharistieverständnis geliefert, die mir die Messe, die ich jeden Sonntag besuche, nicht geben kann, weil ich einfach dort mit Leuten sprechen konnte über den Glauben und ich ganz andere Meinungen gehört habe und nicht nur den Priester, sondern ein ganzes breites Band von Leuten, die der gleichen Meinung, der gleichen Gesinnung sind wie ich. Deshalb glaube ich, daß der Versuch des Mess-Festivals in dem Punkt doch als völlig geglückt zu bezeichnen ist.

Brigitte H. (20):

Ich war, wie schon gesagt, im Vorbereitungsteam. Ich bin dazu gestoßen durch unseren Jugendchor. Ich war der ganzen Sache zuerst sehr skeptisch gegenüber gestanden. Das können die anderen bestätigen, die mit mir gearbeitet haben. Ich habe nicht geglaubt, daß in einer so großen Gemeinschaft von sechshundert Jugendlichen - wir dachten vorher vielleicht an vier- bis fünfhundert - überhaupt ein Gefühl der Gemeinschaft aufkommen kann. Ich war sehr skeptisch und habe auch die Meinung vertreten, daß das nur in kleinen Gruppen durchführbar ist. In der Zwischenzeit war ich in Taizé Ich habe da eine Gemeinschaft erfahren, die wirklich auch in großen Gruppen durchzuführen ist. Daraufhin war ich dem Mess-Festival gegenüber positiver eingestellt. Ich habe gutgeheißen und muß es weiter gutheißen, was da geschehen ist, wie die Leute dazu stehen, und wie das Gemeinschaftsgefühl aufgekommen ist.

Natürlich müssen wir weiterhin eine Volkskirche haben. Das Problem ist aber, wie man mit sechshundert Menschen Gottesdienst feiern will. Das ist natürlich in kleinen Gruppen sehr viel einfacher. Aber ob es so weitergeht und ob es optimal ist, den Gottesdienst zu feiern, wie wir es jeden Sonntag in der Gemeinde tun, das ist die Frage? Noch etwas zum sakralen Raum: Ich störe mich ein wenig an dem Wort "Raum". Ich würde eher sagen "sakrale Atmosphäre", "sakrale Umgebung", die ich mir schaffen kann, und die natürlich für die ältere Generation vielleicht eher in dem gewohnten Kirchenraum entsteht, der für die Meditation und zum persönlichen Gebet da ist, aber warum kann das Gotteshaus nicht zu weiterem benutzt werden, zu der Meditation, zum persönlichen Gebet und zur äußeren Darstellung der Gemeinschaft, die uns Jugendliche mehr anspricht?

Gerhard C. (17):

In Ihrer Predigt, Herr Bischof, haben Sie den Korinther-Brief als Beispiel für einen Gottesdienst oder als Anweisung des Paulus für den Gottesdienst zitiert. In diesem Brief steht erstens, daß sich die Frauen während des Gottesdienstes verschleiern müssen. Es war wohl eine zeitbedingte Maßnahme, die heute nicht mehr aktuell ist. Viel wichtiger sind zwei andere Punkte, die angesprochen worden sind, daß bei diesem Gottesdienst die Gemeinsamkeit gefördert wird, daß es keine Parteien gibt, die sich irgendwie bekämpfen usw. Als dritter Punkt wird angesprochen, daß die Leute, die zu diesem Gottesdienst kommen, eben nicht so egoistisch sind und jeder sein eigenes Brot mitbringt, und der eine viel zu essen hat und der andere nichts. Diese beiden wichtigen Punkte des Briefes mit den Forderungen wurden bei diesem Mess-Festival weitgehend eher erfüllt, als es im normalen Gottesdienst der Fall ist, Dann noch ein ganz persönliches Erlebnis, eine persönliche Meinung: diese Feier der Eucharistie habe ich persönlich viel intensiver erlebt, als es sonst im normalen Gottesdienst der Fall ist.